Provozierend anders!


Artist Statements


Das künstlerische Selbstverständnis ist offensichtlich immer wieder Veränderungen unterworfen//Es entstehen immer neue Leer-Räume, die wieder gefüllt werden wollen. Ein unendlicher Prozess ... 


ARTIST STATEMENT (Stand 2013)
Ein künstlerischer Reibungsversuch. 1. Teil
Der Ausgangspunkt: SCHOCKSTARRE
Wir sind von einer bildnerischen Reizüberflutung umgeben. Gerade in den sozialen Netzwerkseiten werden wir von bunten Bildern überschüttet, die – so erscheint es mir zumindest - vom Publikum, umso mehr mit „Gefällt mir“ belegt werden, umso mehr Klischees bedient werden.
Was ist aber ein Klischee?
Es gibt keine eindeutige Definition.
Es erscheint abgedroschen und beliefert uns mit süßlichen Bildern, die wir schon viel zu häufig gesehen haben.
Ein ”Klischee” bezeichnet nicht nur die vielen vermenschlichten Tierbildchen bei Facebook und Co. Vielmehr geht der Ausdruck ”Klischee” über den reinen Bezug auf Bilder oder Einrichtungsgegenstände hinaus. Es ist ein eingefahrenes Denkschemata, eine schreckliche Schablone, die vom Rezipienten noch nicht einmal bewusst gewählt wird, die vielmehr das eigene Bewusstsein verklebt wie eine süßliche Fliegenfalle und uns kaum erkennen lässt, was sich hinter der gesellschaftlich vermittelten Abgedroschenheit noch an anderen, fremden (und befremdenden) Bildern in der Tiefe unseres Bewusstseins verbergen mag.
Niemand ist vor dem Klischee sicher: auch ich nicht. Selbst wenn wir intellektuell darüber reflektiert haben, können wir uns der Macht der Klischees nicht entziehen. Es lebe der Gartenzwerg!
In der Werbung wird gerne mit Klischees gearbeitet. Das wissen wir alle: Die immer gleichen Bilder werden bis zum Exzess wiederholt und hämmern sich so in unser Unterbewusstsein ein. Umso unbewusster wir sind, umso mehr erlangen diese Bilder Macht über uns, kommandieren uns und raunen uns zu, was wir zu mögen haben.
Absolute ”Mindcontrol” wird da ausgeübt (doch von wem?). All das, was wir nämlich immer wieder sehen, hören oder schmecken, das gefällt uns auch.
Einfachste Psychologie ist dies, die da im medialen Öffentlichkeitsraum praktiziert wird, um uns zu manipulieren und letztendlich Geld, was hier im Lande gleichbedeutend mit Einfluss ist, zu akkumulieren.
Wir selbst merken dabei kaum, dass wir die Photoshop-Menschen der Plakatwände schon längst als Ideal übernommen haben und dies der Grund dafür ist, dass uns unsere Mitmenschen so schrecklich unperfekt und häßlich vorkommen: unvergleichlich! Und damit wir selbst in den Reihen der Poser der virtuellen Welt bestehen können, konsumieren wir, was die Kreditkarte hergibt – kaufen Cremes, unterziehen uns Schönheits-OPs, kaufen levitiertes Wasser, gehen ins schicke Frauen-Fitnesscenter und was dergleichen (Un)sinn noch mehr ist.
Frappierenderweise werden zum Opfer dieser Manipulation nicht nur verstandesmäßig unterbemittelte Menschen, sondern letztendlich wir alle. Und selbst dann, wenn wir behaupten, davon frei zu sein, ist das eventuell nur eine Illusion, die von unserer nächsten (gerne auch “alternativen”) Konsumentscheidung widerlegt wird.
Dennoch sind wir uns unumstößlich sicher: Wir sind in unseren Kaufentscheidungen autark und Achselhaare bei Frauen sind einfach unästhetisch! Als Multiplikatorinnen geben wir nun die unterschwelligen und dreisten Botschaften der Werbeindustrie an unsere Mitmenschen weiter und tragen dazu bei, dass sie zu unumstößlichen Klischees werden. Unsere Welt kapitalisiert sich immer mehr. Es ist kalt geworden in Deutschland.
Deshalb fordere ich: Freiheit für den Gartenzwerg!

Ein künstlerischer Reibungsversuch. 2. Teil
Kunst die Klischees bedient ist kitschig. Hundertwassers Kunst ist kitschig, was nach meiner Definition nichts anderes meint, als dass es sich um eingängige Bilder handelt, die letztendlich nur bekannte Sehgewohnheiten bedienen, anstatt aufzurütteln.
Letzteres ist mein eigener Anspruch an Kunst, wobei ich jedoch von der gegenwärtigen Konzeptkunst, die eben dies verwirklichen will, genervt bin, wird hier nämlich – zumindest in vielen Fällen- das eigene künstlerische Schaffen einer vorher ausschließlich verstandesmäßig erzeugten Idee untergeordnet.
Was dabei herauskommt wirkt auf irgendeine Art und Weise auf mich “seelenlos” und Hundertwasser hätte mir in meiner Einschätzung sicherlich beigepflichtet, schließlich wandte er sich zeit seines Lebens wiederholt gegen eine “verintellektualisierte” Kunst.
So lese ich mich also durch seine vielen (!!!) Texte und stelle überrascht fest, dass er durchaus einen ernstzunehmenden politisch-ökologischen Anspruch vertrat.
Insofern kann seine Kunst also doch kein Kitsch sein, resümiere ich.
Woher kam dann aber mein erster Eindruck?
Meine Vermutung ist diese: Vielleicht liegt dieses “Kitsch”-Gefühl in Bezug auf Hundertwasser, das ja nicht nur mich, sondern auch andere befällt, an einer gewissen Überreizung mit Hundertwasser-Motiven. Jeder Kindergarten führt schließlich unbarmherzig sein Hundertwasser-Mosaik-Projekt durch, wobei ich die gutgemeinte-pädagogische Legitimation dafür niemanden absprechen möchte; jedoch solltet Ihr wissen: Irgendwann reicht es!
Mit dem Überangebot an Hundertwasser-Spiralen ist diese Kunst “profan” und zum Tassen- und Kalender-Aufdruck vorkommen. Wenn ich mich von diesem Vermarktungs-Müll befreien kann, der von Hundertwasser als Marketing-Profi in seiner Spätphase legitimiert worden ist (der Kapitalismus siegt anscheinend immer!), kann ich seine bunte Kunst durchaus genießen. Manchmal braucht der Mensch eben auch Kitsch, womit ich hiermit den Gartenzwerg erneut hochleben lasse, um sich heimisch in einer Welt zu fühlen, die manchmal eben nur “schöngefärbt” erträglich ist.
Doch ich verhake mich in Ambivalenzen. Immer wenn ich mich mit der Kunst von Hundertwasser konfrontiere, gewinnt ein Gefühl an Dominanz, was ich mit dem Adjektiv “überzuckert” beschreiben möchte und was einen unangenehmen Zustand meint, der bei Kindern auftritt, die zu viele Bonbons gegessen und danach über Magenschmerzen klagen müssen.
Was zuviel ist, ist zuviel: Bitte baut keine Hundertwasser-Epigonen-Häuser mehr. Nutzt doch eure eigene Kreativität, die durchaus kitschig sein darf. Lockert die Bauvorschriften und ihr werdet überrascht sein, wie bunt und vielfältig dieses Land sein kann. Kreiert eure eigenen Symbole und besprüht sie mit Glitzerpulver. Malt Gartenzwerge an die Wände!
Hundertwasser hat selbst gesagt: ”So lange die Lebenswelt des Menschen und die Harmonie mit der Natur in erster Linie funktional unvollständig und ihrem Charakter nach prekär sind, dienen auch Romantik, Schönheit und Kitsch als stetige oder als vorläufige Ersatzmittel.” (Hundertwasser: Schöne Wege. Gedanken über Kunst und Leben. Schriften 1943 – 1999. München 2004. S. xx)
So stimme ich Hundertwasser hiermit zu.
Mein “künstlerischer Reibungsversuch” könnte für heute versöhnlich schließen, wenn nicht “Die Zeit” über Kitsch in der gegenwärtigen Kunst folgendes geschrieben hätte:
Selbst ein angesehener Philosoph wie Konrad Paul Liessmann lässt keinen Zweifel mehr daran, dass die einstige Abscheu in allgemeines Wohlwollen umgeschlagen ist. »Nicht länger gilt mehr, dass Kitsch keine avancierte Kunst sein kann. Im Gegenteil: Spätestens seit Jeff Koons wissen wir: der Kitsch selbst ist nun die Avantgarde.” // Gemeint ist damit, dass Künstler wie Jeff Koons oder auch der popbunte Comicmaler Takashi Murakami keinen naiven Gartenzwerg-Kitsch machen, auch wenn ihre Werke gelegentlich so aussehen. Nein, sie unterhalten ein hoch reflektiertes Verhältnis zu ihren massenkompatiblen Gegenständen. Und tun, was die Avantgarde immer schon tat: Sie erweitern den allgemeinen Kunstbegriff, sie hinterfragen die üblichen Geschmacksvorstellungen und im Zweifel auch das Bewusstsein. Anders gesagt: Ihr Kitsch ist eine Form von Kritik. So jedenfalls wird es von zahlreichen Galeristen, Museumskuratoren und auch Theoretikern gesehen. (http://www.zeit.de/2012/43/Koons-Richter-Hundertwasser-Kunst-Kitsch, besucht am 31.05.2013)
Das wiederum geht mir in der Tat zu weit, vermute ich hier einmal, dass die angeblich veranschlagte “Erweiterung des Kunstbegriffes” eventuell nichts anderes sein kann, als das Hirngespinst eines hektischen Kunstmarktes und dessen eilfertigen Lakaien.
So bin ich hier an das bekannte Märchen “Des Kaisers neue Kleider” erinnert , in dem niemand genug Verstand aufweist, den nackten Kaiser als “nackt” zu bezeichnen, was er in der Tat ist. Nur ein Kind traut sich auszurufen: “Aber er hat ja gar nichts an.”
Insofern plädiere ich dafür, den Kitsch ehrlich als solchen zu benennen und sich dabei in keinerlei intellektuellen Ausflüchte zu ergehen. Habt einfach Spaß damit. Fertig.
Freiheit für den Gartenzwerg! Schon wieder!

Ein künstlerischer Reibungsversuch. 3. Teil
Normalität ist gestaltet und sobald ich das verstanden habe, lässt sie sich auch verändern.
Ich spiele mit Klischees, um diese gleichzeitig zu brechen. Ich öffne Räume – hin zu einer Utopie, die auch in einer umdefinierten Vergangenheit liegen mag. Ich will der medialen Trance, in der unsere Gesellschaft langsam zu versinken droht, auf einer persönlichen Ebene entgegenwirken. Verhindern werde ich sie kaum; die Gegenkräfte sind (noch) zu stark, aber immer mehr Menschen wachen auf.
Solange mir diese selbst gewählte Reise Freude bereitet, gibt es für mich keinerlei Grund, aufzuhören.
Selbst Ignoranz, die größte Feme der gegenwärtigen Zeit, kann mich nicht zum Verstummen bringen.
Mein Weg begann 2006/07. Dieses Jahr verbrachte ich in The Gambia, Westafrika. Dort fand ich meine Inspiration. Das Unfertige und Prozesshafte, mit dem ich dort konfrontiert war (und was – bedingt durch die Globalisierung- auch in Auflösung begriffen ist), verschaffte mir den Mut, um selbst zu produzieren und zu schaffen, wobei auch diese Aussage – dem bin ich mir bewusst - nur eine europäisch-gefärbte subjektive Illusion ist, die ich sicherlich auch „woanders“ hätte finden können: wahrscheinlich auch “gleich hinter dem Gartenzaun” .
Die Barrieren brachen, die mich in Europa zur ewigen Konsumentin verdammten. Das afrikanische Chaos, geboren aus der roten Erde, wirkte befreiend – - bis heute. Und immer noch tanze ich hinfort: weg von all den Begrenzungen, Beschränkungen, … ich trete sie mit meinen Füßen, die im Sabar-Rhytmus schwingen – ganz leicht, ganz schwer . Und während ich noch tanze, komme ich unmerklich in jenen Trance-Zustand, der auch im Schamanismus gesucht wird. Dort wird unterschieden zwischen einer ruhe-induzierten und einer bewegungs-induzierten, also ekstatischen Trance.
Letztere zieht mich in ihren Bann und wenn ich male, dann bin ich – genauso wie im Tanz – in jenem Zustand jenseits der Zeiten, der „alles“ bedeutet und der mich die Determinationen meiner gegenwärtigen Existenz transformieren lässt. Der Schamanismus öffnet unser alltägliches Erleben in metaphysische Bereiche und wirkt zurück auf unsere alltägliche Existenz.
Auf einer rationalen Ebene bin ich dabei schamanische Techniken nicht nur zu studieren, sondern auch umzuinterpretieren und so für mich funktionsfähig zu machen. Auf einer praktischen Ebene gehe ich in den ekstatischen Trancezustand, der mich mit meiner individuellen Mythologie konfrontiert und mich dort hineinzieht: bodenlos. Doch ich bleibe die Schöpferin und gebe niemals das Steuerruder aus der Hand, egal welche Ungeheuer mir auch begegnen mögen. Hanno Rautenberg weist darauf hin, dass ich als Künstlerin dabei mein Publikum vergessen kann, was nur dann stimmig ist, wenn meine Kunst aus dem Prozess der ökonomischen Verwertbarkeit hinausgetreten ist. Doch weiter schreibt er: „Natürlich muss kein Künstler sich auf so ein Spiel des Zeichen gebens und Geschichtenerzählens einlassen, er kann auch ganz versinken im Kosmos der eigenen Symbole und selbstgebauten Mythen und sein Publikum vergessen. Allerdings ist es dann meistens nicht Kunst, was er betreibt, sondern Therapie. Er will sich selbst auf die Spur kommen, für andere bleiben die Spuren unleserlich.“ (Rauterberg, Hanno: Und das ist Kunst?!)
Beim Lesen dieses Zitates empfinde ich meine individuellen Mythologien abgewertet; ich webe doch Magie. Und ich möchte unabhängig sein von den Determinationen eines kapitalistischen Marktes, der Klischees besser verkauft als Entgrenzungen. Warum soll Kunst bloße Therapie sein, wenn keine Bezogenheit auf ein Publikum besteht? Und besteht Bezogenheit auf ein Außen nicht immer, weswegen ich mein künstlerisches Schaffen ja auch Coaching nenne: Shamanic Art Coaching.

Ein künstlerischer Reibungsversuch. Teil 4
Der Schamanismus öffnet unser alltägliches Erleben in metaphysische Bereiche. Auf einer rationalen Ebene bin ich dabei ihn nicht nur zu studieren, sondern auch umzuinterpretieren und so für mich funktionsfähig zu machen. Auf einer praktischen Ebene gehe ich in den ekstatischen Trancezustand, der mich mit meiner individuellen Mythologie konfrontiert und mich dort hineinzieht: erst bodenlos, was ich genieße, danach als Dirigentin der eigenen Welten. Ich bin die Schöpferin und gebe dabei niemals das Steuerruder aus der Hand, egal welche Ungeheuer mir auch begegnen mögen.
Hanno Rautenberg weist darauf hin, dass ich als Künstlerin dabei mein Publikum vergessen kann, was nur dann stimmig ist, wenn meine Kunst aus dem Prozess der ökonomischen Verwertbarkeit hinausgetreten ist. Doch weiter schreibt er: „Natürlich muss kein Künstler sich auf so ein Spiel des Zeichengebens und Geschichtenerzählens einlassen, er kann auch ganz versinken im Kosmos der eigenen Symbole und selbstgebrauten Mythen und sein Publikum vergessen. Allerdings ist es dann meistens nicht Kunst, was er betreibt, sondern Therapie. Er will sich selbst auf die Spur kommen, für andere bleiben die Spuren unleserlich.“ (Rauterberg, Hanno: Und das ist Kunst?!)
Beim Lesen dieses Zitates, empfinde ich meine individuellen Mythologien abgewertet; ich webe doch Magie. Und ich möchte unabhängig sein von den Determinationen eines kapitalistischen Marktes, der Klischees besser verkauft als Entgrenzungen. Warum soll Kunst bloße Therapie sein, wenn keine Bezogenheit auf ein Publikum besteht? Und besteht Bezogenheit nicht immer, weswegen ich mein künstlerisches Schaffen ja auch Coaching nenne?

ARTIST STATEMENT (Stand 2011)
Kunst ist für mich eine Verbindung mit dem Metaphysischen. Hanno Rauterberg konstatiert in seinem 2007 erschienenen populären Buch „Und das ist Kunst?! Eine Qualitätsprüfung“ ein wachsendes Bedürfnis nach Wiederverzauberung und Übersinnlichkeit in unserer Gesellschaft, ohne jedoch genauer die tieferen Gründe zu analysieren. Er schreibt: „Verwunderlich ist hingegen, dass einige Künstler meinen, dieses Bedürfnis mit ein paar Transzendenzgebärden stillen zu können. Kunst unterscheidet sich von Esoterik eben dadurch, dass sie sich freihält von vorschnellen Glücksversprechen und ratgeberhaften Anweisungen zur Selbstfindung“ (Rauterberg, Hanno: Und das ist Kunst?! Eine Qualitätsprüfung. Frankfurt am Main 2008, S.246 f.)
Ich habe - in meinem Kunstkonzept - eben dieses Zitat aufgegriffen, ohne es zum damaligen Zeitpunkt zu kennen und in seiner Aussage „umgedreht“, also positiv verstanden, was von Rauterberg per se negativ gemeint war.
Mein esoterischer Ratgeber „Mami Watas Tanz“ ist längst geschrieben und offeriert ein praktisches und nachvollziehbares Programm zur Wunscherfüllung und persönlicher Transformation für jedermann und jedefrau. Eben dieses Konzept verbinde ich mit Kunst, in dem ich mein Ratgeber-Buch als spielerischen Ausgangspunkt nehme, um mich, meine Leser/innen und meine Rezipient/inn/en mit einer spirituellen Ebene zu verbinden und so die heilende Kraft der Kunst, die für jedermann und jedefrau spürbar ist, nicht nur zur Entfaltung zu bringen, sondern auch zu zelebrieren.
Rauterberg schreibt zwar: „Kunst kann nicht dazu dienen, den Menschen mit sich selbst zu versöhnen, sie kann nicht jene große Geborgenheit stiften, in der alles wieder mit allem verschmilzt, Individuum, Volk und Natur. Kunst ist immer uneigentlich, sie vereinzelt und abstrahiert, hebt einzelne Dinge und Bilder heraus. Sie ist nicht die Welt selbst, sondern immer nur Metawelt.“ (S. 247) Doch das, was Rauterberg hier so plakativ ausdrückt, verhält sich - zumindest in meinem Fall - komplizierter. In meiner Kunst erschaffe ich - auf spielerisch-kreative Weise - meine eigene Mythologie, jenseits der großen etablierten Religionen. „Am Anfang war das Wort“, heißt es schon in der Bibel. Indem ich fantasiere und kreiere, schöpfe ich - wie Rautenberg treffend formuliert - eine Metawelt. Doch sie enthält - entgegen der zitierten Aussage - inhärent immer die zukünftige Möglichkeit, fassbare Realität zu werden. Indem ich dabei Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenartigen spirituellen Traditionen entdecke, werden scheinbare Gegensätze aufgehoben und es kommt zu jener Überwindung des dualistisch-abendländischen Denkens, das mit „Verschmelzung“ so treffend beschrieben ist und immer auch die Hoffnung auf eine friedlich-ökologische Weltzukunft enthält. Insofern entfaltetet hier Kunst eine heilende Wirkung.) ist.
Gleichfalls fordere ich dabei die entwurzelten Menschen der post-industrialisierten und globalisierten Gesellschaften auf, sofern sie meinen pädagogischen Fingerzeig wahrnehmen wollen und können, es mir gleichzutun, und aus den Versatzstücken verschiedenartiger, nun gebrochener Mythologien, die in einem Kollektiv wurzeln, das längst nicht mehr existiert, eine individuell-lustvolle Patchwork-Spiritualität zu kreieren, die auf eine lebenswerte, zukünftige Gesellschaft verweist.
Dabei bin ich mir jedoch bewusst, dass ich hier - mit Hilfe der Kunst - ein neues Paradigma erschaffe, das, um auf das o.g. Zitat von Rauterberg zurückzukommen, „nicht die Welt selbst, sondern immer nur eine Metawelt“ ist. (S. 247)
Bildnerisch gebe ich in meinen Bildern auf den x-beliebigen Charakter dieser Metawelt konkrete Hinweise, indem ich scheinbare Räume öffne, die aber „perspektivisch unmöglich“ dargestellt sind und so auf die Illusion verweisen, die dem Raum schon aus physikalischer Sicht innewohnen, dass nämlich jeglicher Raum sich relativ zum Betrachter/zur Betrachterin verhält. (Genauere Erklärungen, auch mit Verweis auf Einsteins Aussage „Zeit ist, was man an der Uhr abliest“ finden sich bei: Nienz, Markolf H.: Lucys Vermächtnis. Der Schlüssel zur Ewigkeit. Leipzig 2009, S. 31 ff)
Die in meiner Kunst aufgestellten Paradigmen sind genauso Illusionen, wie es auch alle anderen Paradigmen sind. Insofern integriert meine Kunst die Weisheit des Narren/der Närrin und steht somit der psychonautischen Chaosmagie eines Pater Caroll nahe. (Siehe: Caroll, Pater: Liber Null & Psychonaut: An Indroduction to Chaos Magic. Newburyport 1990)