Provozierend anders!


Elegba

Elegba ist in der Orisha-Religion der Herrscher über die Wege und die Straßenkreuzungen ist. Er hat viele Namen: Eleggua, Elegba, Eshú, Echu und Exú. In der Karibik wird er Legba oder Papa Legba genannt. Im brasilianischen Candomblé Kult, der ja christlich-katholische Einflüsse integriert, wird er mit dem Erzengel Gabriel verbunden; in der kubanischen Santaria mit dem Santo Nino de Atocha. Als Papa Legba weist er Parallelen zu Petrus auf, der in volkstümlichen Vorstellungen darüber wacht, wer in den Himmel eingelassen wird und wer nicht. Petrus besitzt den Schlüssel zum Heil und auch das Veve-Zeichen des karibischen Papa Legbas erinnert an einem Schlüssel, dessen dazugehörende Tür gleichzeitig Ein- und Ausgang darstellt. Insofern ist es auch nur folgerichtig, dass seine AnhängerInnen Darstellungen von ihm an der Rückseite ihrer Wohnungseingangstür anbringen.

Vergleichbares kennen wir auch in Deutschland: Im süddeutsch-katholischen Raum sieht man häufig die Namen der drei heiligen Könige an der Haustür angebracht, meist in der Form „C + M + B“, häufig noch mit einer Jahreszahl versehen. Die Könige sollen das Haus mit Glück und Segen versorgen, wozu die„Sternensänger“ die Initialien mit geweihter Kreide an die Türen schreiben. Ursprünglich sollen die Initialien für Catharina, Barbara und Margaretha, den drei Jungfrauen, stehen. Im rheinischen Gebiet finden wir als älteres Äquivalent die drei Matronen-Göttinnen, die wiederum, was allerdings eine Vermutung ist, in ihrem keltisch-germanischen Ursprung, der sich mit römischen Glaubensvorstellungen vermischte, auf die Schicksalsschwestern Urd, Verdandi und Skuld verweisen, die unter der Wurzel der Weltesche Yggdrasil an der Quelle der Weisheit sitzen, um das Schicksal der Menschen zu weben. Natürlich vermag ich nicht zu benennen, ob die drei Nornen zu jeder Zeit, also immer, Segens- und Glücksspenderinnen sind; ich vermute jedoch, wenn ich mir die Lage der Welt so anschaue, dass sie es nur „manchmal“ sind. Vermutlich geht es den drei Nornen bei ihrer Weberei noch nicht einmal um unser persönliches Glück, sondern eher darum, „das Schicksal“ der neun Welten in ihrer Ganzheit im Gleichgang zu erhalten (was sich ja letztendlich als vergeblich herausstellen wird: Ragnarök ist schließlich unausweichlich). Diejenige aber, die die Nornen ruft, wird sich ihres zwiespältigen Charakters nicht unbedingt bewusst sein. Die Ruferin hat sicherlich in erster Linie ihr persönliches Glück und das ihrer Familie im Sinn. Fatalerweise machen die Nornen mit den Menschen-Wünschen jedoch das, was sie für richtig halten und dies muss, wie wir alle wissen, nicht unbedingt mit unseren Willen übereinstimmen.

Einen ähnlich zwiespältigen Charakter wie bei den Nornen finden wir auch bei Elegba.

Er ist  der Verwalter der Lebensenergie, die im westafrikanischen Yoruba-Pantheon die Macht und Autorität Oludumares, des höchsten Gottes, meint und mit „Àsé“ bezeichnet wird.

Verschiedene Kulturen haben dieser Lebensenergie unterschiedliche Namen gegeben, zum Beispiel Prana, Od, Mana, Orgon.

Je nachdem, von welcher Perspektive wir Elegba betrachten, zeigt er uns ein differentes Angesicht. Manchmal erscheint er uns von kleiner Statur zu sein, um uns schon im nächsten Augenblick groß, sehr groß und mächtig, zu erscheinen.

Die Hut-Geschichte, die erstmalig von Leo Frobenius aufgezeichnet wurde und die ich hier – mit eigenen Worten – „frei“ nacherzähle, führt uns den Doppelcharakter Elegbas deutlich vor Augen.

Elegba wandert darin eines Tages einem Weg zwischen zwei Feldern entlang, auf denen jeweils ein Bauer arbeitet. Elegba möchte die Bauern verwirren. Dies gelingt ihm schließlich mit Hilfe seines Hutes, der von der einen Seite weiß und von der anderen rot erscheint. Von vorne gesehen weist er eine grüne und von hinten betrachtet eine schwarze Farbe auf.

Später, als die beiden Bauern ins Dorf gegangen sind, berichten sie in unterschiedlichen Erzählvarianten von ihrer Begegnung mit Elegba. Der eine ist sich sicher, einen Mann mit weißem Hut gesehen zu haben, der andere besteht hingegen darauf, dass dieser rot gewesen sei. Der eine sagt zum anderen, dass er wohl blind sein müsse. Dieser erwidert daraufhin, dass der Bauer wohl betrunken gewesen sei. Der Streit eskalierte und schließlich greifen sie sich gegenseitig mit Messern an. Von den Dorfbewohnern werden sie auseinandergerissen und zum „Chief“ gebracht. Elegba ist unter den Zuschauern bei der Gerichtsverhandlung und als der Häuptling nicht mehr weiterweiß, zeigt er seinen Hut. „Streit ist meine größte Freude!“, soll er gesagt haben.

Die Geschichte macht deutlich: Als Meister der Kommunikation beherrscht Elegba die bösartige Manipulation, die ihm leider – allzu häufig – einen diebischen Spaß bereitet. Schließlich lassen sich auf diese Art und Weise Streitereien zwischen den Menschen säen.

Als Übermittler unser Botschaften an die übernatürliche Welt, seien es nun Danksagungen oder Bitten und Wünsche, scheint er ein unzuverlässiger Partner zu sein. Fatalerweise ist genau dies seine Aufgabe und uns bleibt nur zu hoffen (sic!), dass er seine Aufgabe löblich erfüllt. Deshalb wird zu Beginn von religiösen Ritualen im Yoruba-Kontext immer auch Elegba angerufen, um den Weg „frei“ zu machen und eine unverfälschte Kommunikation zwischen Mensch und Gott zu ermöglichen.

Doch ich muss nicht erwähnen, dass er die Nachrichten nur zu gerne verfälscht und die Wünsche und Begehrlichkeiten der Menschen bei der übergeordneten göttliche Instanz, genannt Olodumare, different ankommen als ursprünglich vom Sender initiiert. So ist es dann auch kein Wunder, wenn dies zu „Pleiten, Pech und Pannen“ führt, die den eigenen Lebensweg, bestenfalls in die „falsche“ Richtung führen lassen oder gar – zumindest in unserem Weltbild – scheitern lassen.

Nun … jetzt kennen wir zumindest den Schuldigen.

Elegba ist aber nicht nur negativ zu sehen. Er ist auch der Herrscher über die vielfältigen Möglichkeiten und Gelegenheiten, die sich uns im Leben bieten. Manchmal wünschen wir uns ein anderes Leben und es ist uns nicht möglich, von einer Spur (und es ist meist der ausgetretene Pfad, der uns schon von unserer Herkunftsfamilie vorgegeben ist) auf eine andere zu wechseln. Doch von Zeit zu Zeit tauchen sie auf – die Weggabelungen, die Kreuzungen und die neuen, ungeahnten Optionen. Elegba ist der Herrscher über die Straßenkreuzungen und er macht uns den Durchgang frei, für einen neuen Weg, verlangt mitunter aber hohen Wegzoll. Manchmal verwehrt er uns ganz die Passage und sendet uns in einem Irrgarten, der anmutet wie die Welten der modernen Jump-and Run-Spiele, wo wir ständig „eins auf die Mütze bekommen“, um dann doch nicht das nächste übergeordnet-hierarchische Level zu erreichen.

Natürlich suchen wir uns dieses Schicksal nicht von selbst aus. Wer möchte schon freiwillig seine Komfortzone verlassen? Und wenn wir es gezwungenermaßen dann doch tun, erscheint uns Elegba teuflisch-schalkhaft, ähnlich wie Mephistopheles in der „Faust“-Tragödie. Später jedoch kann sich – wie durch in Wunder - das vermeintliche Versagen als Lernerfahrung und als Transformation erweisen. Und die Irrungen und Prüfungen stellen sich als nicht vergeblich heraus. Wir sind daran gewachsen.

Ja … Elegba hat zwei (und mehr) Gesichter, je nachdem von welcher Seite wir ein Lebensereignis betrachten. Er vertritt keine „Kuschel“philosophie, stattdessen fordert er uns dazu auf, eine Angelegenheit von verschiedenen Seiten zu beleuchten und dabei möchte er uns manchmal auch den unbequemen Weg nahelegen. Er ist wahrscheinlich kein Vertreter des uneingeschränkten positiven Denkens, das ja immer die Gefahr beinhaltet nur das gegenwärtige Elend zu zementieren. Stattdessen schätzt er kritische Auseinandersetzungen, die durchaus für alle Beteiligten unbequem sein können. Bewusstwerdung ist das Zauberwort.

Elegba ist ein Trickster!



Elegba ist in der Orisha-Religion der Herrscher über die Wege und die Straßenkreuzungen ist. Er hat viele Namen: Eleggua, Elegba, Eshú, Echu und Exú. In der Karibik wird er Legba oder Papa Legba genannt. Im brasilia

nischen Candomblé Kult, der ja christlich-katholische Einflüsse integriert, wird er mit dem Erzengel Gabriel verbunden; in der kubanischen Santaria mit dem Santo Nino de Atocha. Als Papa Legba weist er Parallelen zu Petrus auf, der in volkstümlichen Vorstellungen darüber wacht, wer in den Himmel eingelassen wird und wer nicht. Petrus besitzt den Schlüssel zum Heil und auch das Veve-Zeichen des karibischen Papa Legbas erinnert an einem Schlüssel, dessen dazugehörende Tür gleichzeitig Ein- und Ausgang darstellt. Insofern ist es auch nur folgerichtig, dass seine AnhängerInnen Darstellungen von ihm an der Rückseite ihrer Wohnungseingangstür anbringen.

Vergleichbares kennen wir auch in Deutschland: Im süddeutsch-katholischen Raum sieht man häufig die Namen der drei heiligen Könige an der Haustür angebracht, meist in der Form „C + M + B“, häufig noch mit einer Jahreszahl versehen. Die Könige sollen das Haus mit Glück und Segen versorgen, wozu die„Sternensänger“ die Initialien mit geweihter Kreide an die Türen schreiben. Ursprünglich sollen die Initialien für Catharina, Barbara und Margaretha, den drei Jungfrauen, stehen. Im rheinischen Gebiet finden wir als älteres Äquivalent die drei Matronen-Göttinnen, die wiederum, was allerdings eine Vermutung ist, in ihrem keltisch-germanischen Ursprung, der sich mit römischen Glaubensvorstellungen vermischte, auf die Schicksalsschwestern Urd, Verdandi und Skuld verweisen, die unter der Wurzel der Weltesche Yggdrasil an der Quelle der Weisheit sitzen, um das Schicksal der Menschen zu weben. Natürlich vermag ich nicht zu benennen, ob die drei Nornen zu jeder Zeit, also immer, Segens- und Glücksspenderinnen sind; ich vermute jedoch, wenn ich mir die Lage der Welt so anschaue, dass sie es nur „manchmal“ sind. Vermutlich geht es den drei Nornen bei ihrer Weberei noch nicht einmal um unser persönliches Glück, sondern eher darum, „das Schicksal“ der neun Welten in ihrer Ganzheit im Gleichgang zu erhalten (was sich ja letztendlich als vergeblich herausstellen wird: Ragnarök ist schließlich unausweichlich). Diejenige aber, die die Nornen ruft, wird sich ihres zwiespältigen Charakters nicht unbedingt bewusst sein. Die Ruferin hat sicherlich in erster Linie ihr persönliches Glück und das ihrer Familie im Sinn. Fatalerweise machen die Nornen mit den Menschen-Wünschen jedoch das, was sie für richtig halten und dies muss, wie wir alle wissen, nicht unbedingt mit unseren Willen übereinstimmen.

Einen ähnlich zwiespältigen Charakter wie bei den Nornen finden wir auch bei Elegba.

Er ist  der Verwalter der Lebensenergie, die im westafrikanischen Yoruba-Pantheon die Macht und Autorität Oludumares, des höchsten Gottes, meint und mit „Àsé“ bezeichnet wird.

Verschiedene Kulturen haben dieser Lebensenergie unterschiedliche Namen gegeben, zum Beispiel Prana, Od, Mana, Orgon.

Je nachdem, von welcher Perspektive wir Elegba betrachten, zeigt er uns ein differentes Angesicht. Manchmal erscheint er uns von kleiner Statur zu sein, um uns schon im nächsten Augenblick groß, sehr groß und mächtig, zu erscheinen.

Die Hut-Geschichte, die erstmalig von Leo Frobenius aufgezeichnet wurde und die ich hier – mit eigenen Worten – „frei“ nacherzähle, führt uns den Doppelcharakter Elegbas deutlich vor Augen.

Elegba wandert darin eines Tages einem Weg zwischen zwei Feldern entlang, auf denen jeweils ein Bauer arbeitet. Elegba möchte die Bauern verwirren. Dies gelingt ihm schließlich mit Hilfe seines Hutes, der von der einen Seite weiß und von der anderen rot erscheint. Von vorne gesehen weist er eine grüne und von hinten betrachtet eine schwarze Farbe auf.

Später, als die beiden Bauern ins Dorf gegangen sind, berichten sie in unterschiedlichen Erzählvarianten von ihrer Begegnung mit Elegba. Der eine ist sich sicher, einen Mann mit weißem Hut gesehen zu haben, der andere besteht hingegen darauf, dass dieser rot gewesen sei. Der eine sagt zum anderen, dass er wohl blind sein müsse. Dieser erwidert daraufhin, dass der Bauer wohl betrunken gewesen sei. Der Streit eskalierte und schließlich greifen sie sich gegenseitig mit Messern an. Von den Dorfbewohnern werden sie auseinandergerissen und zum „Chief“ gebracht. Elegba ist unter den Zuschauern bei der Gerichtsverhandlung und als der Häuptling nicht mehr weiterweiß, zeigt er seinen Hut. „Streit ist meine größte Freude!“, soll er gesagt haben.

Die Geschichte macht deutlich: Als Meister der Kommunikation beherrscht Elegba die bösartige Manipulation, die ihm leider – allzu häufig – einen diebischen Spaß bereitet. Schließlich lassen sich auf diese Art und Weise Streitereien zwischen den Menschen säen.

Als Übermittler unser Botschaften an die übernatürliche Welt, seien es nun Danksagungen oder Bitten und Wünsche, scheint er ein unzuverlässiger Partner zu sein. Fatalerweise ist genau dies seine Aufgabe und uns bleibt nur zu hoffen (sic!), dass er seine Aufgabe löblich erfüllt. Deshalb wird zu Beginn von religiösen Ritualen im Yoruba-Kontext immer auch Elegba angerufen, um den Weg „frei“ zu machen und eine unverfälschte Kommunikation zwischen Mensch und Gott zu ermöglichen.

Doch ich muss nicht erwähnen, dass er die Nachrichten nur zu gerne verfälscht und die Wünsche und Begehrlichkeiten der Menschen bei der übergeordneten göttliche Instanz, genannt Olodumare, different ankommen als ursprünglich vom Sender initiiert. So ist es dann auch kein Wunder, wenn dies zu „Pleiten, Pech und Pannen“ führt, die den eigenen Lebensweg, bestenfalls in die „falsche“ Richtung führen lassen oder gar – zumindest in unserem Weltbild – scheitern lassen.

Nun … jetzt kennen wir zumindest den Schuldigen.

Elegba ist aber nicht nur negativ zu sehen. Er ist auch der Herrscher über die vielfältigen Möglichkeiten und Gelegenheiten, die sich uns im Leben bieten. Manchmal wünschen wir uns ein anderes Leben und es ist uns nicht möglich, von einer Spur (und es ist meist der ausgetretene Pfad, der uns schon von unserer Herkunftsfamilie vorgegeben ist) auf eine andere zu wechseln. Doch von Zeit zu Zeit tauchen sie auf – die Weggabelungen, die Kreuzungen und die neuen, ungeahnten Optionen. Elegba ist der Herrscher über die Straßenkreuzungen und er macht uns den Durchgang frei, für einen neuen Weg, verlangt mitunter aber hohen Wegzoll. Manchmal verwehrt er uns ganz die Passage und sendet uns in einem Irrgarten, der anmutet wie die Welten der modernen Jump-and Run-Spiele, wo wir ständig „eins auf die Mütze bekommen“, um dann doch nicht das nächste übergeordnet-hierarchische Level zu erreichen.

Natürlich suchen wir uns dieses Schicksal nicht von selbst aus. Wer möchte schon freiwillig seine Komfortzone verlassen? Und wenn wir es gezwungenermaßen dann doch tun, erscheint uns Elegba teuflisch-schalkhaft, ähnlich wie Mephistopheles in der „Faust“-Tragödie. Später jedoch kann sich – wie durch in Wunder - das vermeintliche Versagen als Lernerfahrung und als Transformation erweisen. Und die Irrungen und Prüfungen stellen sich als nicht vergeblich heraus. Wir sind daran gewachsen.

Ja … Elegba hat zwei (und mehr) Gesichter, je nachdem von welcher Seite wir ein Lebensereignis betrachten. Er vertritt keine „Kuschel“philosophie, stattdessen fordert er uns dazu auf, eine Angelegenheit von verschiedenen Seiten zu beleuchten und dabei möchte er uns manchmal auch den unbequemen Weg nahelegen. Er ist wahrscheinlich kein Vertreter des uneingeschränkten positiven Denkens, das ja immer die Gefahr beinhaltet nur das gegenwärtige Elend zu zementieren. Stattdessen schätzt er kritische Auseinandersetzungen, die durchaus für alle Beteiligten unbequem sein können. Bewusstwerdung ist das Zauberwort.

Elegba ist ein Trickster!